HypnoBirthing - Part 2


15.01.2017

 

 

 

 

 

Vergangenen Freitag hatten wir nun also unsere erste Kursstunde. Und wir sind happy.

 

Meine wichtigste Erkenntnis aus der ersten Stunde ist, dass ich mich darauf einlassen kann. Nachdem ich, wie schon erwähnt, dem Thema zunächst eher skeptisch gegenüber stand und für alles immer lieber einen fundierten wissenschaftlichen Nachweis möchte, war ich mir auch nicht sonderlich sicher, ob ich mich auf HypnoBirthing einlassen kann.

 

Lustigerweise habe ich einen 'Test' bestanden, von dem ich im Vorfeld gehört und ihn als absoluten Unsinn deklariert habe: Man bekommt einen Gegenstand (z.B. einen Stift) in die Hand gedrückt und bekommt dann wiederholt widersprüchliche Aussagen, was damit zu tun sei: 'Halte den Stift ganz fest' - 'Das Ziel ist es, den Stift fallen zu lassen'. Zu meiner eigenen Überraschung  konnte den Stift nicht fallen lassen - wohlgemerkt, ich kannte den Test und konnte eigentlich nicht nachvollziehen, warum zum Henker ich den Stift nicht fallen lassen können sollte.

Aber: Es gibt eine logische Erklärung dazu. Der Körper folgt dem Geist. Wenn der Geist keine eindeutige Botschaft sendet, kann der Körper auch nicht adäquat reagieren. Das klingt für mich nicht nach Hokuspokus, auf den ich mich nicht einlassen könnte, sondern ich kann es nachvollziehen.

 

Ein weiterer Punkt, der mir hilft, ist, dass die Geburt inklusive der biochemischen Vorgänge genau besprochen wird. So kann ich Aktionen und Reaktionen des Körpers nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip nachvollziehen und verstehen, was da genau in mir geschieht. So ist es völlig logisch, dass der Geburtsverlauf nicht seinen Weg gehen kann, wenn die Frau - wenn auch unterbewusst - ein Gefühl der Gefahr und Angst verspürt. In diesen Fall aktiviert unser vegetatives Nervensystem den Sympathikus - die Leistungsbereitschaft und die Durchblutung der Skelettmuskulatur steigen, während alle nicht überlebenswichtigen Funktionen des Körpers runtergefahren werden. Platt gesagt: Signalisiert die Wahrnehmung der Mutter Gefahr, könnte sie zwar wunderbar fliehen oder kämpfen, aber nicht in Ruhe in Kind bekommen.

 

Das Ziel für die nächsten Wochen vor der Geburt ist es also, die Atem-, Entspannungs- und Visualisierungstechniken so zu konditionieren, dass sie in meinem Unterbewusstsein abgespeichert sind und ich somit schnell und einfach darauf zugreifen kann. Dadurch wird versucht, eine eindeutige Botschaft vorzugeben, so dass das das vegetative Nervensystem im Parasympathikus bleibt und die Durchblutung der inneren Organe (und damit der Gebärmutter) gefördert wird. Ein Muskel kann seine Wirkung eben nur gut durchblutet entfalten.

 

Momentan habe ich hier noch eine große Befürchtung: schaffe ich es, die negativen Dinge auszusperren? Da gäbe es zum einen die negativen Berichte bzw. die gesellschaftlich gewachsene negative Einstellung zur Geburt (darüber muss ich noch einmal separat was schreiben), die quasi automatisch zu einer negativen Erwartungshaltung führt und zum anderen die Erinnerung an unangenehme Momente meiner letzten Geburt. Hier haben zwar alle natürlichen Verdrängungsmechanismen glänzend gewirkt, aber wer weiß, ob nicht in einer ähnlichen Situation die Erinnerung wieder zurückkommt?

 

Gleichzeitig halte ich aber an meinem Motto, dass die natürliche Geburt die normale Geburt ist, fest und glaube, dass wir diesmal mit einer anderen Umgebung und vor allem viel Vorbereitung einen enorm großen Schritt in die richtige Richtung machen.

 

Die Vermeidung der Gefahr-Empfindung wird außerdem gestützt durch eine positive Zielvorstellung und den alltäglichen Umgang mit Geburt: nicht nur negative Erfahrungen anderer, also z.B. negative Geburtsberichte von Freundinnen / aus dem Netz / etc. sollten vermieden werden, sondern auch das Vokabular wird geändert: Wehen beispielsweise werden zu Wellen, die Austreibungsphase oder auch das Sprengen der Fruchtblase werden umbenannt. Und um ehrlich zu sein: Irgendwo ist mir klar, dass das Wort Wehe den Schmerz quasi gleich mitliefert und dass das sicherlich nicht förderlich ist. Unweigerlich meldet sich aber immer sofort immer eine kleine Stimme in mir, die das für etwas übertrieben hält. Daran muss ich mich also eindeutig noch gewöhnen.

 

 

To cut it short: Erstaunlich, dass ich so viel Aufwand betreiben muss, um mich wieder zurück zur Natur und meinem eigenen Körper zu bringen, aber ich glaube wir sind auf dem richtigen Weg zu einer schönen Geburt. HypnoBirhting ist viel weniger Hokuspokus als ich vermutet habe (und das finde ich toll!). Ich empfinde gerade wieder die gleiche Freude und äußerst positive Aufregung im Hinblick auf die Geburt, die ich in unserem letzten Urlaub empfunden habe, als ich 'Das Geburtsbuch' gelesen habe. 

 

Und was mit Geburt nichts zu tun hat, mich aber äußert happy stimmt: Im Handout der Kursleitung sind zwei Seiten über das Stillen enthalten. Leider bekomme ich gerade im Netz mit, wie oft auch von vermeintlich medizinisch geschultem Personal haarsträubende Märchen über das Stillen verbreitet werden. Aber diese zwei Seiten würde wohl jede Stillberaterin unterschreiben. Alle Infos kann ich absolut befürworten und bekräftigen und gleichzeitig kommt es nicht militant à la 'jede gute Mutter muss stillen' daher. 

Über diese zwei Seiten habe ich mich als 'Langzeitstillmama' also besonders gefreut!

 

Die Reise geht also weiter!

 

Herzlichst,

herziMUCerl