HypnoBirthing - Part 5


22.03.2017

 

 

 

 

"Der gute Vorsatz für die kommenden Wochen lautet natürlich: Viel entspannen, weiter die Atemübungen üben und die freien Tage nutzen!" - Zugegeben, es ist größtenteils beim guten Vorsatz geblieben. Warum wir trotzdem eine wundervolle Geburt erleben durften:

 

Weil wir uns, unter anderem Dank HypnoBirthing, im Vorfeld als Paar sehr intensiv mit der Geburt beschäftigt haben. Und auch, weil wir soweit möglich alle Vorbereitungen getroffen haben, die den natürlichen Geburtsverlauf begünstigen, in unserem Fall etwa die Wahl des Geburtsortes (Geburtshaus statt Krankenhaus) und dadurch die 1:1-Betreuung durch vertraute Hebammen. Hinzu kommt die oben genannte Beschäftigung mit der Geburt: Bei unserem ersten Versuch in Sachen Geburt sind wir sehr unbedarft und frei nach dem Motto "Sind ja nicht die ersten, die das machen" herangegangen. Wie schon berichtet, erlebten meine Mutter und Großmutter einfache und schöne Geburten bei all ihren Kindern, wieso sollte das also bei mir anders sein? Das hatte sich schnell gerächt und wir wurden vom Klinikalltag quasi überrollt und befanden uns schnell in der sogenannten Interventionsspirale, es wurde also mehr und mehr in den Geburtsverlauf eingegriffen - auch dadurch, dass wir schlicht zu wenig informiert und vorbereitet waren.

Bei unserem jetzigen zweiten Versuch ins Sachen Geburt sind wir also frei nach dem Motto "Sind ja nicht die ersten, die das machen - und wir wissen genau, was zu tun ist" an die Sache herangetreten. 

 

"Beim Zweiten geht's ohnehin schneller" sagen immer alle. Und ja, auch hier war das so. Das hatte zu Beginn jetzt einen kleinen Nachteil: Nachdem die Wellen mitten in der Nacht begonnen hatten, ausgelöst übrigens durch das Stillen der großen Schwester, musste noch die Tasche gepackt werden, wobei die Verpflegung am meisten Zeit in Anspruch genommen hat (und ich es entgegen aller Erwartungen doch nicht gegessen habe). Jedenfalls ging alles auf einmal los: Wellen in kürzesten Abständen, die sich recht schnell intensivierten, die große Schwester, die glücklicherweise schnell bei den Großeltern weiterschlafen konnte, Tasche packen, Brote schmieren, Hebammen informieren und, ach ja, sich in Trance versetzen. Ihr könnt es euch denken - das war alles ein bisschen viel auf einmal. Es ging so schnell los, dass ich trotz der Unterstützung meines Mannes (der wohl am meisten Sorge hatte, mir genügend zu Essen einzupacken;) ) nicht mal in die Nähe einer Trance kam. Die Atemübungen aus dem Kurs mit den Visualisierungen konnte ich trotzdem gut umsetzen und die Entspannungsübungen, die ich mir in meiner Playlist zusammengestellt hatte, taten der entspannten Atmosphäre auch gut.

 

So kam es, dass wir schon 1,5h nach Einsetzen der Wellen unser Geburtszimmer im Geburtshaus München bezogen und gleich kräftig mit den Wellen arbeiteten. Unsere Hebamme versorgte uns mit allem Notwenigen, reichte Kirschkernkissen zum Wärmen, Kissenberge zum Stützen, Orangensaftschorle und hielt sich ansonsten angenehm zurück und ließ uns machen. 

Ich erkannte recht schnell, dass ich nicht in einer Trance war, wie ich sie von den HynoBirthing-Geburten auf Youtube kannte: Frauen, die die Wellen völlig lautlos durchatmeten; und ich wohl auch nicht mehr in dieses Stadium kommen werde. Genauso schnell beschloss ich aber, mich davon jetzt nicht irritieren oder behindern zu lassen (was hätte das auch gebracht?) und tönte durch meine Wellen, während mein Mann massierte und mir die Visualisierungen vorgab, auf die ich mich alleine nicht hätte konzentrieren können.


So arbeiteten wir weiter, ohne dass ich über irgendetwas hätte nachdenken können, da die Wellen gefühlt mit nur einer Minute Pause kamen (ich habe meinen Mann gefragt, realistisch betrachtet waren es wohl 2-3 Min. Pause). 

Das Nicht-Nachdenken war durchaus hilfreich, ich hätte diese Intensität nämlich kaum über viele Stunden weitermachen können (wobei ich es eigentlich nur dann richtig gemein fand, wenn die Wellen direkt nacheinander kamen). So vergingen die 2,5h bis zum Hebammenwechsel, die ich völlig ohne Zeitgefühl und nur konzentriert auf die Wellen verbracht habe. Schon vor dem Wechsel fing ich, langsam aber sicher an, mitzupressen. Und so vergingen nach dem Hebammenwechsel nur noch 38 Min mit drei kräftigen Wellen zum Schluss, bis ich unseren Sohn in die Hände meines Mannes gebar.

Interessanterweise fühlten sich die 38 Minuten wesentlich länger an, die Wellen zum Schluss, bei denen ich den Kopf des Kleinen mit meinen Händen spüren konnte, waren dafür aber weniger schmerzhaft, als viel mehr sehr faszinierend. 

Durch die schnelle Geburt (4,5h ab der ersten Welle) staute sich das Blut im Kopf des Kurzen, wodurch er als Blaubeere auf die Welt kam. Nach ein paar Tagen hatte sich aber auch die Gesichtsfarbe normalisiert.


Wir genossen anschließend das Kuscheln,

freuten uns über die Überraschung Bub (ich hab es ja geahnt), diskutierten den Namen und tranken einen Sekt mit den Hebammen (nach 3 Schluck musste ich aufhören weil ich sonst komplett rauschig gewesen wäre 😜).


An dieser Stelle also von mir noch ein riesiges Dankeschön an meinen Mann, der zu jeder Zeit genau das richtige sagte und machte und auch an die lieben Hebammen des Geburtshauses München, die uns genug Freiraum ließen, trotzdem immer da waren und uns eine tolle Geburt in entspannter Atmosphäre ermöglichten.

Und auch: die mich unter der Geburt nicht untersuchten, das war mir von der ersten Geburt nämlich als äußerst unangenehm in Erinnerung geblieben. Merke: eine Geburt kann also auch funktionieren, ohne einen (ständigen) Überblick über den Öffnungsgrad des Muttermunds zu haben. 


Fazit: Ich hatte sicherlich keine HypnoBirthing-Geburt, wie sie im Buche steht. Vielleicht hätte ich sie gehabt, wenn ich mich deutlich mehr mit den Entspannungsübungen beschäftigt hätte und diese durch viel Übung konditioniert gewesen wären. Durch den HypnoBirthing-Kurs waren wir aber trotzdem beide so gut informiert uns vorbereitet, dass wir wunderbar im Team arbeiten konnten und eine Wahnsinnsgeburt erlebt haben. Es ist mit also, ehrlich gesagt, sch**ßegal, dass ich nun getönt habe und nicht geatmet, und ja, auch Schmerzen gehabt habe (allerdings alles im aushaltbaren Bereich), weil ich immer noch begeistert und geflasht von unserer schönen Geburt bin. 

 

Herzlichst,

herziMUCerl